Das Wichtigste der Kyo-Jitsu-Diagnose

Ryokyu Endo: Das Wichtigste der Kyo- Jitsu – Diagnose in der östlichen Medizin



Als Menschen, die im Westen aufwuchsen und eine westliche Erziehung hatten, müssen wir nun, da wir uns für die östliche Kultur interessieren, zuerst einmal folgendes verstehen. Das Studium der östlichen Philosophie und Heilkunst, die sich aus der östlichen Denkweise entwickelten, verlangt von uns, dass wir in unserer Wahrnehmung etwas verändern. Da unsere Wahrnehmung auf den Kriterien basiert, die wir gewohnt sind, neigen wir dazu, die Dinge so zurecht zu biegen, wie es uns angenehm ist und wie sie unserer gewohnten Weise, zu denken und zu handeln, entsprechen. Wir lernen in westlichen Schulen, gemäß westlicher Lehrpläne und Prüfungsverfahren.

Unser westliches Leben verläuft anders, als das östliche Leben und unsere Art, die Dinge zu betrachten ist ebenfalls anders. Deshalb ist es sehr wichtig, dass wir nicht versuchen, diese Heilkünste an uns anzupassen; wenn wir uns dafür entschieden haben, Menschen mit Heilmethoden zu behandeln, die aus dem Osten stammen, müssen wir die Philosophie und die Lebensform, aus denen sie hervorgeht, genau untersuchen. Wenn ich darüber in verschiedenen Foren sprach, spürte ich oft unmittelbaren Widerstand bei den Zuhörern. Manche kritisieren sogar die japanische Lebensweise des letzten Jahrhunderts oder die Japaner oder Orientalen überhaupt.

Es steht mir weder zu, noch ist es meine Aufgabe, den Westen oder den Osten zu verurteilen. Doch ich muß wiederholt und mit Nachdruck betonen, wie wichtig es ist, dass wir die Behandlungsmethoden, die wir anwenden und ihren philosophischen und praktischen Ursprung von Grund auf und vollständig verstehen. Das ist die Grundbedingung. Aufgrund dieses Verständnisses wird unser Zugang zu der Ki-Welt und zu den Meridianen einfacher und leichter sein. Ich möchte in diesem Artikel versuchen, einige der wichtigsten Prinzipien für das Verständnis und die Anwendung der aus Japan stammenden Tao Shiatsu Therapie zu beschreiben.

Das Konzept von „Kyo und Jitsu“, das die Grundlage der östlichen Medizin darstellt, kann für Therapeuten aus dem Westen unklar oder verwirrend sein. Diese Verwirrung stammt hauptsächlich von dem grundlegenden Irrtum im Verständnis dieser Konzepte- ein Irrtum, der zu weiteren Irrtümern führt, ins besondere bei der Kyo-Jitsu Diagnose

Ziel dieses Artikels ist es, die Begriffe Kyo und Jistu von neuem zu klären und damit zu zeigen, dass der Kyo-Meridian nicht mit dem Bewußtsein diagnostiziert und festgestellt werden kann.

Wir wissen von Shizuto Masunaga, „dass Kyo das Ganze ist und Jitsu der Teil. Kyo ist also Yin und Jitsu ist Yang“.Dem folgend fügt Tao Shiatsu Meister Endo Ryokyu hinzu: Yang (Jitsu) ist das, was mit dem Bewußtsein wahrgenommen wird und Kyo (Yin) wird nicht mit dem Bewußtsein wahr genommen“. Ein gutes Beispiel dafür kann man sehen, wenn man das Portrait einer Person betrachtet. Die Person wird wahrgenommen und identifiziert durch das Bewußtsein – Yang, während der Hintergrund als Yin wahrgenommen wird. Diese Identifizierung des Hintergrundes geschieht durch das Unterbewußtsein. Was verstehen wir unter Bewußtsein? Eine der wichtigsten Funktionen des Bewußtseins ist die Unterscheidung zwischen „dem Selbst und dem Anderen“. Im Falle eines Therapeuten und eines Patienten, befähigt uns das Bewußtsein, uns voneinander zu unterscheiden.

Lassen Sie uns nun zurückkehren zu den Worten der Meister: Wenn Kyo (Yin) nicht durch das Bewußtsein identifiziert werden kann, wie können wir es dann im Patienten diagnostizieren? Wenn ein Mensch aus dem Westen an die Begriffe Kyo-Jistsu oder Yin-Yang denkt, kann es leicht geschehen, dass er sie als relative Konzepte interpretiert, wie z.B. Yin ist negativ und Yang ist positiv, Kyo ist weniger und Jitsu mehr oder Kyo ist weich und Jitsu hart. Viele Bücher vermitteln das Prinzip von Yin und Yang auf diese Art. Das ist jedoch eine entzweiende und trennende Einordnung. Dieses zweidimensionale Denken ist seit der Zeit von Descartes im Westen weit verbreitet. Wir machen einen Fehler in der Interpretation östlicher Philosophie, wenn wir die Idee von Yin und Yang in dieser zweigeteilten Sichtweise betrachten. Das ist nicht unsere Schuld. Wir können die Dinge nur mit den Mitteln, die wir besitzen wahrnehmen und interpretieren. Der ganze wissenschaftliche Ansatz des Westens basiert auf diesem Denken. Deshalb ist es wichtig für uns, die Kluft zwischen der wahren Bedeutung von Kyo-Jitsu und ihrer Interpretation durch westliche, zweidimensional vergleichende Ansicht zu verstehen.

Wie die Meister Masunaga und Endo schon erklärten, sind Kyo und Jitsu der Teil und das Ganze oder das Unterbewußtsein und das Bewußtsein in Harmonie miteinander. Ihre Bedeutung kann nicht mit Ausdrücken, wie wenig/mehr, weich/hart oder auffallend/verdeckt erfaßt werden, denn dies sind trennende Begriffe des Bewußtseins. Wir stoßen möglicherweise auch auf Fragen, wie: „Welcher Meridian ist mehr im Kyo, welcher mehr im Jitsu?“, was darauf hinweist, dass die Herangehensweise dessen, der fragt, auf einer vergleichenden Sichtweise beruht.

Lassen Sie uns versuchen, die Konzepte von Kyo und Jitsu und die Diagnose von Meridianen aus einer wahrhaft östlichen Sicht zu untersuchen, aus einem Standpunkt des Tao heraus. Basiert die Meridian-Diagnose auf einer aufteilenden und untersuchenden Herangehensweise? Im folgenden Abschnitt möchte ich versuchen, die wahre Bedeutung von Kyo-Jitsu und echter Diagnose klar zu machen.

Was z.B., ist die Bedeutung einer durch Druck auf das Hara erhaltenen Information? Ist ein weicher, tiefer Meridian wirklich Kyo und ein harter Meridian Jitsu?

Die Antwort lautet ohne Zweifel: „Nein“. Diese Diagnose beruht auf dem Tastsinn. Mit dem Tastsinn identifizieren wir ein Objekt. Wenn wir Druck ausüben, fühlen wir ob es weich ist oder hart. Der Tastsinn hilft uns auch, uns unserer eigenen Existenz bewußt zu werden – angesichts des Anderen oder des Materials, das wir berühren. Der Tastsinn ist verknüpft mit dem Bewußtsein, dem Ego und somit ist es uns nicht möglich, das Ganze damit zu erfassen, sondern nur Teile des Ganzen.

Bitte schließen Sie ihre Augen für eine Weile und versuchen Sie, ihren Körper zu spüren. Nach wenigen Sekunden wird es schwierig für uns, den Körper als Ganzes zu spüren (aus „Tao Shiatsu“, von R. Endo). Unser Bewußtes Denken wird immer nur einen Teil wahrnehmen, niemals das Ganze. Östliche Medizin ist ganzheitlich. Das heißt, sie befaßt sich mit den Auswirkungen auf den ganzen Körper –den physischen, den emotionalen und den energetischen- und nicht nur auf einen seiner Teilbereiche.

Das Ziel im Shiatsu ist nicht die Manipulation des Körpers sondern die Freisetzung negativer, d.h. unpassender Energie, die in den Meridianen festssitzt und möglicherweise zu Krankheiten führen kann. Wir können durch körperlichen Druck unter Verwendung des Tastsinns, Teile des Körpers manipulieren, ohne jedoch mit Ki oder dem ganzen Körper in Verbindung zu kommen. Folglich ist es nicht möglich, mit dem Tastsinn Ki oder Meridiane zu diagnostizieren. Mit dem sogenannten Yang-Bewußtsein können wir uns nur mit einem Teil des Körpers innerhalb des Ki-Feldes verknüpfen. Dies bedeutet, daß der Tastsinn kein Mittel darstellt, mit dem wir auf den ganzen Körper einwirken können.

Der Grund dafür liegt in der Tatsache, daß die Funktion des bewußten Denkens immer in einer Trennung zwischen dem Selbst und dem Anderen sowie in der Identifizierung des Objekts liegt. Wenn wir kein vergleichendes Bewußtsein haben, können wir ein Objekt auch nicht als von uns getrennt wahrnehmen. Und wenn wir es mit Identifikation zu tun haben können wir keine Verbindung mit dem Ganzen herstellen.

Da dem so ist, stellt sich die Frage, wie wir demnach diagnostizieren können?

Westliche Medizin ist auf Wissenschaft und Forschung gegründet. Östliche Medizin basiert auf einer Lebensphilosophie, die alle Bereiche des täglichen Lebens (in dem die Begriffe Kyo-Jisu, Yin-Yang und die fünf Elemente, allgemein verbreitet sind) miteinander vereint. Dabei geht es nicht um abstrakte Konzepte oder um eine abstrakte Philosophie; sowohl Ki als auch die Meridiane existieren wirklich. In den alten Schriften heißt es: „Ein Überschuß an Yin wird zu Yang, ein Überschuß an Yang wird zu Yin.“ Und tatsächlich, verwandelt sich ein Meridian, der über einen langen Zeitraum Kyo ist , in Jitsu und umgekehrt. In der Realität und in der Praxis besteht eine Übereinstimmung zwischen der Philosophie, den Meridianen und dem Ki.

Der Begriff Kyo stammt von dem chinesischen Schriftzeichen `Koku` ab, das „Leere“ bedeutet. Aus Koku wurde Kyo. Laut de chinesischen oder der taoistischen Philosophie ist dieser Zustand der Leere der ideale geistige Zustand. Wenn wir in unserem Ich-Bewußtsein sind, ist unser Herz Jitsu , also Yang. Mit anderen Worten ist der vergleichende Denkansatz in Konflikt mit der Natur, denn er verursacht Trennung und verhindert, daß wir aus diesem Zustand der Leere heraus arbeiten.

Endo sagt: „Wenn unser Herz leer ist, nicht bewußt ist, dann können wir den Meridian klar sehen. Es gibt unter den 14 Meridianen einen Meridian, der eins ist mit der ganzen Natur oder der universalen Lebensenergie und das ist der Kyo-Meridian.

Ein Herz, das leer ist, sieht das Kyo und ein Kopf, der frei ist, erkennt die Leere wieder. Das ist keine Philosophie; es ist real und durchführbar. Auf diese Weise wird der Kyo-Meridian diagnostiziert.

Durch Zuhilfenahme einer solchen Diagnose und mit der richtigen Behandlung können Symptome aufgelöst werden. Endo sagt außerdem: „Meister Masunaga diagnostizierte Kyo und Jitsu mit dieser inneren Einstellung (aus diesem Zustand der Leere heraus) und all die Meister vor ihm, seit den Tagen des Lao-Tse, machten es ebenso. Dies ist das Wesentliche bei der Diagnose in der östlichen Medizin“.

Der Geist von über 2500 Jahren wurde weitergereicht in der Tradition, von Generation zu Generation und von Lehrer zu Schüler. Dieser Geist des Verständnisses der Tradition wurde erhalten und weitergegeben von der Zeit des Lao-Tse zum Gelben Kaiser bis in die Gegenwart hinein. Wir lernen in erster Linie zu diagnostizieren, indem wir unseren Lehrer beobachten: dieses Beobachten ermöglicht, daß der Geist des Tao durch den Meister geht, der ihn wiederum von seinem Lehrer empfing. Wenn wir den Lehrer beobachten, schauen wir dem Herzen des Meisters zu.

Wie wir oben schon sahen, können wir weder Kyo-Jitsu mit unserem bewußten Denken diagnostizieren, noch die Meridiane auf diese Art erkennen, denn Meridiane bestehen nicht aus physischer Materie. Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, zu versuchen, Meridiane mit Hilfe einer Karte oder anatomischer Messungen lokalisieren zu wollen. Der Meridian, als Kanal von Ki oder der Lebensenergie, verändert von Natur aus ständig seine Lage und kann nicht an einem bestimmten Ort gefunden werden.: Meridiane existieren als Ki, reagieren auf unsere Intention und auf den Zustand unseres Herzens und nicht auf unser Ich-Bewußtsein. Sie können nur in einem Zustand der Einheit zwischen Therapeut und Patient erkannt werden.

Endo sagt: „Im Ki-Feld gibt es keine Trennung zwischen Therapeut und Patient, und auch nicht zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“. Halten Sie dies für reine Philosophie? Nein, es ist die Realität des Ki. „Die wirkliche Welt ist eine Projektion unseres Bewußtseins“, fügt Endo hinzu. Deshalb gibt es die relative Welt nicht mehr, wenn unser Ich-Bewußtsein verschwindet. Wenn wir auf das Hara nicht mit unserem Tastsinn, sondern mit unserem Ur-Sinn Druck ausüben werden wir das Objekt nicht als weich oder hart empfinden. In diesem Zustand erkennen wir den Meridian mit unserem Herzen und sehen ihn darin widergespiegelt. Dies ist das Verfahren um den Meridian zu sehen: Ein Meridian ist kein Bestandteil des physischen Körpers, er ist ein Kanal für den Fluß des Ki. Und nochmals möchte ich betonen, daß der Meridian, da er keine physische Existenz hat, auch nicht mit physischen Mitteln erkannt werden kann. Auch wenn wir versuchen, uns den Meridian als körperliche Linie vorzustellen, werden wir einer Illusion erliegen.

Masunagas Worte: „Kyo ist das Ganze“, bedeuten, daß Kyo der Meridian ist, der mit der gesamten Natur verbunden ist. Nach Endo ist der Kyo-Meridian, der Meridian der „Leere“, in Verbindung mit dem Universum, mit dem Ganzen. Kyo bedeutet nicht nur Leere; es repräsentiert auch das Verlangen und den Bedarf nach Ki, das Bedürfnis aller Lebewesen, ein aktives und gesundes Leben zu führen. Gesundheit heißt in diesem Zusammenhang, dass der Kyo-Meridian sich ständig verändert, aufgrund der Bewegung zwischen Yin und Yang, genau wie in der Natur oder in den einfachen Tätigkeiten, die der Körper verrichtet. Natur ist per Definition nicht statisch; sie verändert sich und schwankt, fließt und bewegt sich und unsere Körper und unsere Energien sind genauso. Wenn Kyo in einem Meridian fest wird und sich nicht mehr verändert, verursacht es körperliche Symptome und Krankheit. Deshalb sagte Lao-Tse: Die „Menschen werden gesund sein, wenn sie Eins werden mit der Natur“.

Somit haben wir einen Weg zur Kyo-Meridian-Diagnose bestimmt. Weil Kyo mit einem „leeren Herzen“ identifiziert wird, müssen wir uns von einer Vorstellung der Trennung zwischen Therapeut und Patient befreien. Wir müssen „Eins werden mit der Natur“ und uns mit der Gesamtheit allen Lebens verbinden. Dies geschieht nicht durch Gebrauch unseres Bewußtseins oder unserer Urteilsfähigkeit. Alles schön und gut, aber wie geschieht es dann?

Damit jeder Shiatsu Schüler lernen kann, wie man dies tut, werde ich hier eines der Grundprinzipien des Tao Shiatsu vorstellen: Einfühlende Vorstellung (empathetic imagination) . Der Begriff „einfühlende Vorstellung“ ist in der Tao Shiatsu Sprache entstanden. Lassen Sie mich ihn also genauer erklären.

Schauen wir uns also zuerst einmal den Unterschied zwischen östlicher und westlicher Definition der Begriffe „Vorstellung“ und „Einfühlungsvermögen“ an. Im Westen bedeutet das Wort Einfühlungsvermögen, Anteil zu nehmen an den Gefühlen einer anderen Person. Diese Bedeutung beinhaltet kein Einfühlungsvermögen für Gegenstände oder Teile der Natur, die „nicht lebendig“ sind, wie z.B. ein Stein oder ein Berg. Der Grund dafür liegt darin, dass es aus westlicher Sichtweise eine Trennung gibt zwischen Mensch und Natur, Materie und ihrem Wesenskern. Darum erkennt westliche Kultur einen Wesenskern der Materie nicht an.

Anders in östlicher Kultur: Natur hat einen Wesenskern, hat Energie und Schwingung und es gibt keine Unterscheidung zwischen dem Wesenskern von Geist und Materie. Ki ist das, was beide verbindet, was beide beinhaltet. Ki ist Energie, Leben und Geist; es ist die Basis aller physischen und psychischen Phänomene, die Basis des ganzen Universums.

Alle „Wesenheiten“, leblose Objekte eingeschlossen, besitzen Ki, einen Wesenskern und ein Selbst. Das Einzelne ist immer Teil des Ganzen und somit beinhaltet in der Ki-Welt jede einzelne Wesenheit alle anderen. Im Tao Shiatsu ist Einfühlungsvermögen nicht nur auf die Gefühle eines anderen Menschen gerichtet oder auf ein Gefühl, das der Therapeut unabhängig von dem Patienten oder für diesen empfindet. Einfühlungsvermögen besteht gegenüber dem eigentlichen Leben des Patienten, seinem ganzen Körper – dem physischen und dem energetischen – das Unterbewußtsein mit eingeschlossen. Einfühlungsvermögen gegenüber dem Ki des Patienten bedeutet Einheit von Wesenskern und Körper in Verbindung mit dem Unterbewußtsein.

Im Westen gebrauchen wir das Wort „Vorstellung“ meistens synonym mit „Illusion“. Aber im Ki-Feld hat Vorstellung eine andere, viel wichtigere Bedeutung. Ki wird von der Vorstellung regiert. Was man sich vorstellt, existiert in dem Ki-Feld oder in der Ki-Welt. Man kann sogar sagen, dass das, was man sich nicht vorstellen kann, in der Ki-Welt nicht existiert. Können Sie das glauben? Können Sie sich das vorstellen?

Sagen Sie bitte nicht: „das ist Einbildung“. Es ist Realität. Auf diese Weise arbeiten wir im Tao Shiatsu. Die Methode basiert auf dem Gebrauch der einfühlsamen Vorstellung, die durch Druck auf die Meridiane eine in höchstem Maße effektive Bewegung der Energie bewirkt. Der richtige Gebrauch dieser Vorstellung ermöglicht dem Therapeuten den Zugang zu dem Meridian und dieser „antwortet dem Herzen des Therapeuten“. Wir können den Meridian behandeln, wenn unsere einfühlsame Vorstellung und unsere Körperbewegung synchron sind.

Folglich ist die Vorstellung von größter Bedeutung bei der Identifizierung und der Diagnose von Meridanen. Wir können einen Meridian nur durch den Gebrauch der einfühlsamen Vorstellung identifizieren.

Im Tao Shiatsu wurden nur zwei Arten von einfühlender Vorstellung definiert; Eine Vorstellung ist die, wo der Empfänger am meisten mit Druck berührt werden möchte. Die zweite ist die, wie der Patient sich während der Druckanwendung fühlt(und nicht nur während der Druckanwendung).Versuchen Sie, diese Vorstellung die ganze Zeit über aufrecht zu erhalten. Der Therapeut wird nach jahrelanger Praxis anfangen, während der Behandlung nicht mehr im „Ego-Bewußtsein“ zu sein und sich bei der Druckanwendung nicht mehr auf seinen Tastsinn zu verlassen, wenn er diese Arbeitsschritte befolgt:

- Sich vorstellen, wo der Empfänger am meisten mit Druck berührt werden will.

- Sich gleichzeitig vorstellen, wie der Patient sich fühlt.

- Beide Vorstellungen andauernd aufrecht erhalten, ohne an sich selbst oder etwas anderes zu denken (z.B. daran, Erfolg zu haben, o.ä.).

Dann wird der Therapeut beginnen, den Kyo-Meridian des Patienten als Reflexion in seinem eigenen Herzen zu sehen; er wird den Kyo-Meridian ( der in diesem Moment mit der ganzen Natur verbunden ist) klar sehen. Wenn der Therapeut auf den Kyo-Meridian Druck ausübt, breitet sich Ki im ganzen Körper des Patienten aus. Diese Reaktion erfolgt nur dann, wenn man auf den Kyo-Meridian Druck ausübt und nicht bei irgend einem anderen Meridian. Durch Behandlung des Kyo-Meridians werden Symptome verschwinden.

Masunaga und Endo diagnostizieren also durch reine Beobachtung. Dies Art der Diagnose nennt man Boshin – mit dem Herzen schauen.Es ist die Diagnose durch das Ki, aus der Sichtweise der östlichen Philosophie. Diese Philosophie ist gut verwurzelt in der Realität des Ki und kommt immer aus dem Herzen, nicht aus dem Kopf.

Nur durch einfühlende Vorstellung ist es möglich, diesen Tao-Zustandes , der in der Ki-Welt das Selbst nicht vom Anderen trennt,. zu erreichen.

Und was ist in diesem Zusammenhang mit Herz gemeint? Es ist das Herz, das danach strebt, dem anderen das zu geben, was das Beste für ihn ist. Es ist das Herz, das die ganze Zeit über 100% einfühlsam sein will. Ein Herz, das nach einem geistigen Zustand der Leere trachtet. Ein Herz, das hofft, frei zu werden von dem Ego, das ständig etwas will von der Welt um es herum. Dieses Herz des Therapeuten ist wahrhaft das Herz, der Kern der östlichen Medizin.

Unter Kyo versteht man keine theoretische Philosophie. Es ist ein Teil unserer Lebensweise. Und eine Tao Shiatsu Behandlung wird uns immer dazu bringen, dies zu erfahren und somit das Tao zu erleben, den Ursprung von Allem.



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